10. Mai 2007

Männliche Minderheit

Geschrieben von Alex in Lernen

Aufgefallen ist mir der hohe Frauenanteil and der Journalismus-Schule in Cardiff (JOMEC) schon vor einigen Monaten.

Dass ich im Herbstsemester bei der Vorlesung zum Thema Medien und Feminismus unter 30 Studenten der einzige Mann war, ließ sich ja noch erklären. Die Gleichstellung der Geschlechter gilt unter jungen Leuten anscheinend als bloßes Frauen-Problem…

Allerdings saß auch in den anderen Fächern stets eine Mehrheit von Frauen. Meine zweite Interpretation: Männer trinken mehr, sind fauler und sparen sich so einige Vorlesungen am „frühen“ Morgen (10 Uhr).

Vorgestern hat es mir eine Dozentin offiziell bestätigt: An der JOMEC liegt die Männerquote unter den Studenten bei mageren 20-30 Prozent. Das ist erstaunlich, wo der Journalismus doch eher als Männerdomäne gilt. Nach meinem Wissen ist nur jeder dritte Stelle als Rundfunk- und Printreporter mit einer Frau besetzt. (Weiterlesen…)

29. April 2007

Germanismen

Geschrieben von Alex in Land

Immer mehr Lehnwörter aus dem Englischen bereichern und verändern die deutsche Sprache. Es gibt einige Kritiker, die ein solches „Denglisch“ ablehnen. Zu ihnen gehört der Verein Deutsche Sprache. Im Jahr 2005 gelang es den Sprachhütern, eine ganze Stadt für den Kampf gegen Anglizismen zu gewinnen: Das thüringische Städtchen Mühlhausen ermutigt seine Beamten, Unternehmer und Einwohner, sich wieder dem vielfältigen Vokabular der deutschen Sprache zu bedienen.

Auf der britischen Insel sieht man das etwas gelassener cooler. Auch hier haben viele Fremdwörter Einzug in den alltäglichen Sprachgebrauch gefunden. Doch hier fürchtet man nicht den Verlust der kulturellen Identität, weil sich der Wortschatz verändert. Nicht wenige der neuen Vokabeln sind deutschen Ursprungs. Der bekannteste Germanismus dürfte mit Sicherheit der kindergarten sein.

Wenn Briten über den Zweiten Weltkrieg sprechen – und das tun sie nur allzu gerne –, dann ist fast jeder Satz mit einem deutschen Wort gespickt. Oft ist vom blitz die Rede – kurz für Blitzkrieg. Statt von den German armed forces und tanks spricht man von der wehrmacht und panzers. Aus dem Zweiten Weltkrieg stammt auch der Begriff krauts, mit dem Deutsche aufgrund ihrer angeblichen Vorliebe für Sauerkraut (igitt!) spöttisch bezeichnet werden.

Der letzte Schrei unter den deutschen Lehnwörtern ist über, das hier meistens als uber zu lesen ist und als Synonym für super verwendet. Die angesagtesten Kinofilme sind hier also nicht bloß cool, sondern uber-cool. Sentimentale Leinwandromanzen werden dagegen auch im Englischen als kitsch abgestempelt.

Und schließlich wandert ein englisches Wort – das eigentlich keines ist – aus dem Deutschen zurück ins Englische: Das Wort Handy, das im Englischen eigentlich nützlich heißt und nur von Deutschen für Mobiltelefon verwendet wird. Es schickt sich an, die sperrigen mobile phone und cellphone aus dem Sprachgebrauch zu verdrängen.

In der akademischen Sprache bin ich auch schon über Begriffe wie realpolitik, zeitgeist oder weltanschauung gestolpert. Diese Liste ließe sich unendlich fortsetzen, aber diese Mühe haben sich schon andere vor mir gemacht: Auf germanenglishwords.com findet sich ein umfangreiches Lexikon deutscher Wörter, die es ins Englische geschafft haben.

20. April 2007

Wahlbenachrichtigung

Geschrieben von Alex in Leben

Unerwartete Post fand sich gestern in meinem Briefkasten: Eine Wahlbenachrichtigung. Ich darf am Donnerstag, dem 3. Mai bei den Wahlen zur Walisischen Nationalversammlung mit abstimmen. Meine Stimme darf ich zwischen 7 und 22 Uhr abgeben. Das Wahlbüro befindet sich in der St.-Peter-Kirche, gleich hier um die Ecke.

Gewählt werden 60 Abgeordnete, davon 40 über Direktmandate und 20 über Parteilisten. Folglich habe ich zwei Stimmen: Eine für den Abgeordneten aus Cardiff Central und eine weitere für eine Partei. Favorit in den Umfragen ist momentan die Labour-Partei, gefolgt von den Konservativen und der Walisischen Nationalpartei Plaid Cymru, die für ein unabhängiges Wales eintritt.

Was ich mich zuerst gefragt habe: Wie sind mein Name und meine Anschrift in das Wahlregister gelangt? Da es in Großbritannien keine Meldestellen gibt, weiß eigentlich nur meine Universität, dass ich hier bin. Meine persönlichen Daten wurden also vond er Uni weitergereicht, ganz ohne mich davon zu benachrichtigen.

8. April 2007

As long as we beat the English

Geschrieben von Alex in Land

Die Six Nations Championships sind eines der absoluten Highlights im walisischen Sportjahr. Das Rugby-Turnier zwischen England, Frankreich, Italien, Irland, Schottland und Wales gilt als die inoffizielle Rugby-Europameisterschaft und wird seit 1883 ausgetragen (damals nur mit den Teams von der Insel).

Für Wales waren die Titelkämpfe im Februar und März alles andere als erfolgreich. Vier Niederlagen in fünf Spielen reichten nur zum vorletzten Platz vor Italien. Der Titel ging nach Frankreich. Gegen den Erzrivalen England gab es jedoch einen 27–18 Erfolg. Und das bedeutet den nationalstolzen Walisern sehr viel.

Ein Lebensgefühl, das die walisische Rockgruppe Stereophonics in folgendem Song auf den Punkt gebracht hat: As long as we beat the English

Kurz und knapp: Die Iren und Schotten können uns schlagen – so lange wir die Engländer schlagen ist und das egal.

Ich hatte zwar keinen Platz im Millenium Stadium, konnte aber die zweite Hälfte des Spiels auf der BBC verfolgen. Und war schon ziemlich stolz auf meine Waliser Jungs :-)

1. April 2007

Cardiff-Absolvent in Gaza entführt

Geschrieben von Alex in Leute

Die Journalisten-Schule der Cardiff University hat sich besorgt über das Verschwinden des Journalisten Alan Johnston geäußert. Der BBC-Korrespondent im Gazastreifen war am 15. März auf dem Heimweg nach Gaza-Stadt verschwunden. Der 44-Jährige hatte in den 1980er-Jahren sein Diplom in Journalismusforschung an der Cardiff University abgelegt.

Seit mehr als zwei Wochen gibt es kein Lebenszeichen von dem erfahrenen Auslandskorrespondenten, der seit 2004 als einziger Reporter einer großen ausländischen Nachrichtenanstalt in Gaza stationiert ist. Sein Auto wurde noch am Tag seines Verschwindes verlassen vorgefunden. Die palästinensche Polizei geht davon aus, dass Johnston Opfer einer Enführung geworden ist.

Führende Nachrichtenagenturen hatten in der Vergangenheit ihre Korrespondenten aus dem Gazastreifen wegen zunehmender Spannung zwischen rivalisierenden Palästinensergruppen abgezogen. Seit 2005 wurden in dem palästinensischen Autonomiegebiet 15 Journalisten entführt, jedoch meist umgehend und unverletzt wieder freigelassen.

24. März 2007

I can’t get no sleep

Geschrieben von Alex in Leben

Vergangenen Mittwoch waren Steffi und ich erneut in der National Indoor Arena in Birmingham. Diesmal zum Konzert der Gruppe Faithless. Elektronische Musik vom Feinsten. Mit 90 Minuten war die Vorstellung zwar etwas kurz, dafür aber sehr intensiv. Wir hatten einen guten Platz, keine 15 Reihen von der Bühne entfernt. Einen kleinen Eindruck vom Konzert gibt folgendes YouTube-Video (nicht von mir aufgenommen). Achtung: Die Tonqualität ist lausig.

22. März 2007

Transparenter Wahl-Karneval

Geschrieben von Alex in Land

Im Fach Politik und Medien lerne ich derzeit, wie dramatisch sich das Verhalten unserer Politiker seit der Entwicklung von Radio und Fernsehen verändert hat. Weil unsere Volksvertreter ständig im medialen Rampenlicht stehen, achten sie immer mehr auf Aussehen und Image. Ihre politischen Standpunkte treten dagegen in den Hintergrund. Die Politik wird zu einem Theater, in dem Spitzenpolitiker die Star-Schauspieler sind. Wie sehr Politik zum Schauspiel geworden ist, zeigt sich besonders in Wahlkampagnen. Die Kandidaten treffen sich zu Schaukämpfen in Fernsehstudios und geben wohlklingende Wahlversprechen ab, an die später nicht mehr erinnert werden wollen.

Die Studenten an der Cardiff University durften Anfang der Woche ihre Repräsentanten wählen. Gewählt werden unter anderem der Präsident der Studentenunion, der Chef der Sportvereine und die Chefredakteurin des Campusmagazins. Der einwöchige Wahlkampf hier vor allem Karneval. Die Kandidaten tun alles dafür, in Gedächtnis der Wähler haften zu bleiben. (Weiterlesen auf campusseite.de)

16. März 2007

Wappentier

Geschrieben von Alex in Land

Auch wenn Stuttgart die offizielle Partnerstadt von Cardiff ist – die walisische Hauptstadt hat viele Gemeinsamkeiten mit meiner Studien-Heimat Ilmenau. Und das nicht nur wegen dem regnerisch-trüben Wetter, das hier ganzjährig herrscht. Die beiden Studentenmetropolen haben auch dasselbe Maskottchen: Den Ziegenbock.

Während Ilmenau das meckrige Haustier in einem Sprichwort verewigt hat („In Ilmenau, da ist der Himmel blau, da tanzt der Ziegenbock mit seiner Frau“), hat Cardiff das bockige Tierchen sogar in sein Stadtwappen aufgenommen.

Cardiff Wappen

Warum gerade die Ziege als Symbol für Cardiff herhalten muss, ist unklar. Nein, die Menschen sind hier weder bärtig noch bockig… Vielleicht liegt es daran, das die Ziege seit 150 Jahren das Maskottchen des Königlich-walisischen Regiments ist. Das Regiment ist Teil der britischen Armee und in Cardiff stationiert. Im Krim-Krieg, 1855, schenkte Königin Victoria dem Regiment aus ungeklärten Gründen eine Ziege. Seitdem wird die walisische Truppe zu offiziellen Anlässen von „Taffy“ angeführt.

Doch eine Ziege ist nicht unbedingt das Tier, das mir von Cardiff in Erinnerung bleiben wird. Denn es sind andere Tiere, die die walisische Hauptstadt beherrschen. Möwen und Elstern regieren die Lüfte, Tauben die Einkaufsstraßen. Und in den Grünanlagen herrschen die „Squirrels“, zu deutsch Eichhörnchen (ein echter Zungenbrecher auf Englisch). Von diesen drolligen Nagern wuseln Hunderte in den Stadtparks und Vorgärten herum…

Squirrel

12. März 2007

Karneval

Geschrieben von Alex in Leben

Feiert man bei euch eigentlich auch gerade Fasching? Diese Frage wurde mir vor einigen Wochen mehrfach gestellt. Und jedes Mal antwortete ich entschlossen mit „Nein“. Nur am Fastnachts-Dienstag begeht man hier den Pancake-Day, den Pfannkuchentag. Allerdings gibt es dann keine Pfannkuchen (Berliner), wie sie im deutschen Karneval zu Tausenden verspeist werden. Stattdessen wird hier das verzehrt, was wir Ostdeutschen als Eierkuchen kennen. Das wars dann aber auch schon mit der ganzen Faschingszeremonie.

Man kann es aber auch anders sehen: Denn eigentlich ist hier immer Karneval. Schließlich rennen die Studenten jeden zweiten Abend in lustigen Kostümen durch die Innenstadt. Aber warum? Damit die allabendlichen Trinkgelage nicht zu langweilig werden, veranstalten Studenten und Diskotheken hier des öfteren so genannte Fancy Dress Partys. Ein bestimmtes Thema wird vorgegeben, zudem man sich entsprechend verkleiden muss. Das gibt vor allem an Wochenende ein eigentümliches Bild ab, wenn in den späten Abendstunden Piratinnen, Strafgefangene und Schulmädchen über das Pflaster der Trinkmeile torkeln.

Der Kreativität sind dabei wie so oft keine Grenzen gesetzt. Der Handel mit langen Pappnasen und Hasenohren boomt in Großbritannien. Kostümläden haben zumindest in den Uni-Städten Hochkonjunktur. Doch die Briten, die sonst lieber auf Fertigprodukte zurückgreifen (Fast Food, vorgeschriebene Geburtstagskarten) haben zumindest hier ein bisschen Eigenantrieb. Und so bastelten sich meine Mitbewohner letzten Mittwoch ein beachtliches „Ghostbusters“-Kostüm, mit dem sie sich auf einen 3-Kilometer-Marsch zur Party-WG begaben.

Ghostbusters
Scott, Ian, James und Chris im Ghostbusters-Outfit (James ist übrigens nur geschminkt).

1. März 2007

Wir fahren nach Birmingham

Geschrieben von Alex in Laufen

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Vom 2. bis 4. März: Die Halleneuropameisterschaft der Leichtathleten in Birmingham. Steffi und ich sind am Freitag und Samstag live in der National Indoor Arena dabei!

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